Yakushima – Reise zu einer mystischen Insel

19. April 2016 | Reisefotografie

Im November/Dezember 2012 unternahm ich eine dreiwöchige Reise nach Japan. Dieser Artikel schildert meinen Besuch der kleinen Insel Yakushima. Artikel zu weiteren Abschnitten der Reise werden folgen.

Wandern im Shiratani Unsuikyo, Yakushima, Japan

Anreise

Bei der Planung meiner Japan-Reise stieß ich in Reiseführern auf die kleine Insel Yakushima. Die Beschreibung der uralten Sicheltannen, der wildlebenden Affen und wolkenverhangenen Berggipfel faszinierte mich so sehr, dass ich beschloss, die abgelegene Insel zu besuchen.

Von meiner ersten Station, Tokio, reiste ich mit dem Zug bis an die Südspitze der vier Hauptinseln Japans, in die Hafenstadt Kagoshima. Nach einer Übernachtung dort bestieg ich morgens die Fähre nach Yakushima, etwas unsicher was mich dort erwarten würde. Schon in Kagoshima hatte ich das Gefühl am Rande Japans angekommen zu sein. Nun brachte mich ein bereits etwas in die Jahre gekommenes Schiff durch das Ostchinesische Meer weitere 60 Kilometer nach Süden.

Trotz der lauten Schiffsmotoren und den Geräuschen des Windes herrschte während der vierstündigen Überfahrt eine eigenartige Ruhe und Gelassenheit an Bord. Kein Spur mehr vom hektischen Treiben der Städte, das ich bisher erlebt hatte. Ich war der einzige westliche Tourist an Bord. Die Fahrt war eine willkommene Möglichkeit, die vielen Eindrücke der bisherigen Reise zu verarbeiten. Gegen Mittag erreichten wir die Insel, deren Berggipfel in den Wolken verschwanden.

Yakushima – Erkundung der Insel

Nach meiner Ankunft auf Yakushima bezog ich zunächst mein Quartier in einer kleine Pension im Hauptort Miyanoura. Der Inhaber der Pension sprach zwar kaum Englisch, aber mit Händen und Füßen klappte die Verständigung ganz gut. Auch hier begegnete mir wieder diese Freundlichkeit und ehrliche Hilfsbereitschaft der Japaner, die ich so schätzen gelernt habe.

In den folgenden Tagen erkundete ich die Insel. Mir begegnete ein völlig anderes Japan, als das, das ich bisher kannte. Ruhig, ländlich, bescheiden und in gewisser Weise auch einfach. Ich machte Spaziergänge durch Miyanoura und Anbo, wanderte durch Obstplantagen und fuhr mit dem Bus zum Nationalpark Shiratani Unsuikyo um die uralten Yaku-Sugi (Sicheltannen) zu sehen.

Kurz hinter dem schmalen Küstenstreifen ragen die Berge steil in den Himmel. Die Berggipfel verschwanden meist in den Wolken. Der Volksmund sagt, auf Yakushima würde es an 35 Tagen im Monat regnen. Während meines Besuchs war das Wetter, von ein paar Schauern abgesehen, glücklicherweise recht gut. Die Insel ist überzogen von dichtem, intensivem Grün. Ich habe gelesen, dass jeweils 200 Pflanzenarten hier am nördlichen bzw. südlichen Rand ihres Verbreitungsgebiets wachsen und es daher auf Yakushima eine einzigartige Artenvielfalt gibt.

Eines Abends kehrte ich nach dem Essen noch im Stax Cafe ein. Ich war der einzige Gast und so unterhielt ich mich bei ein paar japanischen Bier mit dem Wirt. In der kleinen Bar standen zwei mannshohe Boxen und auf dem Bildschirm liefen Folgen der amerikanischen TV-Show Soul Train aus den Siebzigern. Es war eine bemerkenswerte Mischung: Der japanische Wirt und der deutsche Gast hören gemeinsam schwarzen Soul.

Durchmesser der Insel (km)

Einwohner

Höchste Erhebung (m)

Wanderung in den Bergen Yakushimas

Yakushima ist berühmt für seine  Yaku-Sugi, Sicheltannen die mehrere Tausend Jahre alt werden können. Der Sicheltannenwald auf Yakushima wurde 1993 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

Natürlich wollte ich bei einer kleinen Wanderung in den Bergen auch diesen Teil der Insel kennenlernen. Ich nahm den Bus von Miyanoura nach Shiratani Unsuikyo, einem Nationalpark mit mehreren Wanderwegen auf 800 Meter Höhe. Mehrere Stunden durchwanderte ich den dichten, urtümlichen Feuchtwald. Die Vegetation ist üppig, Steine und Baumstämme sind von Moos überzogen. Bäche durchziehen den Wald und an einige Stellen war es gar nicht so einfach, trockenen Fußes auf die andere Seite zu kommen. Bei einer kleinen Hütte machte ich Rast und konnte dabei wildlebende Hirsche beobachten.

Ich machte auch einen kleinen Abstecher zu Yayoi sugi, einer der ältesten Sicheltannen. Sie ist schätzungsweise 3000 Jahre alt! Mich fasziniert der Gedanke, vor einem Baum zu stehen, der älter ist als die Stadt Rom.

 

 

Das obige Foto wurde im National Geographic Traveler Magazine veröffentlicht (Internationale Ausgabe und Länderausgaben Rumänien und Mongolei).

Affen!

Leider hatte ich in Shiratani Unsuikyo keine Affen gesehen. Aber auf der Rückfahrt war es dann soweit. Der Busfahrer bremste plötzlich, rief etwas auf Japanisch und die drei japanischen Touristinnen, die noch im Bus waren, liefen aufgeregt zur anderen Seite des Busses. Ich blickte aus dem Fenster und da saßen sie: Vier Affen, die gerade mit der gegenseitigen Fellpflege beschäftigt waren und offensichtlich darauf hofften, von Touristen gefüttert zu werden. Schnell zückte ich die Kamera und begann Bilder zu schießen.

Die auf Yakushima lebenden Makaken sind eine Unterart der Japanmakaken. Sie sind etwas kleiner als ihre ihre Cousins auf den Hauptinseln. Schätzungsweise leben 6000 Tiere auf der Insel.

Abschied

Nach einigen Tagen hieß es dann wieder Abschied nehmen von dieser einzigartigen Insel. In Miyanoura bestieg ich die Fähre zurück nach Kagoshima. Gerne denke ich an meinen Besuch und die dortigen Erlebnisse und Eindrücke zurück.

p

Reiseinformationen

Wer Yakushima besuchen möchte, dem empfehle ich wärmstens die Website www.yakumonkey.com sowie das dazugehörige Buch Yakushima: A Yakumonkey Guide, 2nd Edition von Clive Witham. Die erste Ausgabe des Buches war mir eine wertvolle Hilfe beim Besuch der Insel.